Die Veranstaltung fand im Rahmen des 5. Jugendforums anlässlich des Europäischen Jahres für Freiwilligentätigkeit statt. Partner der Großregion, des Cnajep (Comité pour les relations nationales et internationales des associations des jeunesse et d`éducation populaire), des Crajep (comités regionale pour les relations ?) Lothringen und des deutsche Bundesjugendringes (DBJR) diskutierten über die Herausforderungen, vor denen Jugendliche bei ihrer Freiwilligentätigkeit stehen und wie das bürgerliche Engagement gefördert werden kann. Das Interesse war bereits durch die Anwesenheit zahlreicher Jugendlicher und junger Erwachsener, welche in verschiedenen Formen Freiwilligentätigkeiten ausüben, ersichtlich. Diese hatten sich bereits drei Tage lang in Workshops zu diesem Thema ausgetauscht.
Sven Frye (Vorsitzender des DBJR) machte auf die Tatsache aufmerksam, dass ca. 100.000 Jugendliche in Deutschland die Juleica besitzen, sodass das Engagement eine große Kontinuität besitzt, wenn Jugendliche auch weniger Zeit dafür aufbringen könnten als früher. Der Freiraum für das Engagement Jugendlicher würde zunehmend durch die vorliegenden Rahmenbedingungen eingeschränkt. Jugendliche stehen vor Herausforderungen wie wachsender Zeit- und Leistungsdruck, Dominanz des formellen Bildungssystems oder Mobilitätsanforderungen. Engagement könne nur gefördert werden, nicht bestellt!
Jean-Pierre Masseret (Präsident der Region Lothringen sowie der Großregion) hob in seinem Beitrag hervor, dass die Aussage "Früher war alles besser" für das jugendliche Engagement nicht zutreffe, dass aber der Forderung "Morgen muss es besser sein" nachgegangen werden sollte. Thema müsse heute auch die gemeinsame Bürgerschaft über Grenzen hinweg sein, um eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Hierzu werde Engagement, Freiwilligentätigkeit und Verantwortungsbewusstsein benötigt. Irène Pequerul betonte die schwerwiegende wirtschaftliche und soziale Krise, denn die verschlechterten Lagebedingungen für Jugendliche beeinträchtigten das Engagement. Daniel Soibinet führte auf, dass der natürliche Nährboden für die Entfaltung von Engagement die Vereine seien.
Auf die paradoxe Sichtweise der Gesellschaft auf Jugendliche machte Julien Vaillant, Mitglied des Conseil Régional von Lothringen, aufmerksam. Einerseits würden Jugendliche als Motor für Innovation angesehen und andererseits aber als Teil der Gesellschaft, der den Status Quo nicht in Frage stellen solle. Jugendliche stehen ebenso vor der Herausforderung, selbständig zu werden, aber gleichzeitig sind derzeit 75% abhängig von öffentlichen Hilfsmaßnahmen. Neue Formen des Engagements müssten deshalb definiert, Jugendliche aktiv eingebunden, ihre Ausgangssituation und ihre Interessen berücksichtigt werden. Maika Billards, Vizepräsidentin des Cnajep, zuständig für europäische Fragen, referierte über die Verschiedenheit der Freiwilligentätigkeit der EU-Mitgliedsländer. Eine zunehmende Professionalisierung des Bereichs des Engagements fordere immer mehr Kompetenzen, was eine allgemein anerkannte Zertifizierung zum Thema mache.
Es folgte ein Gespräch am Runden Tisch zum Thema: "Freiwilligentätigkeit: Zwischen persönlichem Engagement und sozialer und kollektiver Aktion". Im Vordergrund standen bisherige Aktionen zur Anerkennung und Förderung des Engagements der Jugendlichen in allen Gebieten der Großregion. Alle Gebiete der Großregion waren vertreten, für den Landesjugendring Saar Catharina Becker. Die Frage, ob die Ausübung eines Ehrenamtes eher egoistische oder altruistische Beweggründe beinhalte, wurde von ihr entschlossen und auch ein wenig provokant mit egoistischem Verhalten als Ausgangslage für Freiwilligentätigkeit beschrieben. Denn der Mensch bringe sich ein, um selbst wirksam zu werden, nicht warten zu wollen, bis andere vielleicht etwas tun. Gemeinsamer Konsens war am Ende der hierzu geführten Diskussion, dass sowohl egoistische als auch altruistische Beweggründe zur Aufnahme bzw. Ausübung eines Ehrenamtes vorliegen. Zur Förderung des bestehenden Engagements wurde von allen mehr Anerkennung und Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit sowie mehr Vertrauen gegenüber den Jugendlichen und jungen Erwachsenen gefordert. Zudem müssten die Jugendlichen von den Vereinen mehr motiviert werden, Freiwilligentätigkeiten auszuüben. Aber auch Strukturen wie beispielsweise ganz einfach nur attraktive Räumlichkeiten müssten bereit gestellt werden.
Der Workshop am Nachmittag zum Thema "Freiwilligentätigkeit und interkultureller Dialog" beinhaltete unter anderem auch den Beitrag von Solenn Crépeaux vom Landesjugendring Saar. Crépeaux stellte das Projekt "JuleicaVielfalt" vor: eine Qualifizierungsmaßnahme für ehrenamtliche Jugendliche aus Migrantenorganisationen. Sie konnte über reges Interesse in den Organisationen berichten und erste vorliegende Zahlen scheinen für gelingenden interkulturellen Dialog und Austausch zu sprechen. Die sich anschließende Diskussion machte an diesem Tage einmal mehr deutlich, dass sich die Verwendung der Begrifflichkeiten von Ehrenamt und Freiwilligen-Dienst in den Diskussionsbeiträgen vermischte. Im deutschen Sprachgebrauch sind die beiden Begriffe für zwei unterschiedliche Arten des Engagements klar definiert, aber im französischen Sprachgebrauch liegt eine solche nicht vor. Zudem sind die verschiedenen Freiwilligentätigkeiten in den einzelnen Ländern sehr heterogen. Nach dem Meinungsaustausch im Workshop über verschiedene europäischen Austauschprojekte wie z.B. der "Freiwillige Europäische Dienst" konnte die Bilanz gezogen werden, dass der Staus des Freiwilligendienstes hinterfragt werden muss. Denn in der Entscheidung zum Engagement darf es nicht um "einen guten Lebenslauf für die Bewerbung gehen", sondern vielmehr um Persönlichkeitsbildung und interkulturellen Austausch.
Zum Abschluss der Tagung wurden unter anderem von Julient Vaillant die Ergebnisse des Tages zusammengefasst: Rahmenbedingungen, verändertes Engagement oder auch mangelnde Präsenz der Vereine seien hier noch einmal als Schlagworte aufgeführt. Die Politik wurde aufgefordert, tätig zu werden. Die Notwendigkeit des Einbezugs der Meinung junger Experten wurde deutlich hervorgehoben. Schade war daher um so mehr, dass diese an diesem Tag nicht zu Wort kamen. Denn bereits im Vorfeld hatten sie in Workshops die Vielzahl der an der Tagung gestellten Fragen bearbeitet. Diese Tatsache ließ eine junge Teilnehmerin auch im Plenum nicht unkommentiert stehen, was auf großen Beifall und Zuspruch aller Teilnehmer stieß. Ein kleiner Trost aber für alle Beteiligten, die Ergebnisse dieser sollen in einem Blog zusammengefasst werden und die Teilnehmer der Tagung Zugang zu diesem Forum erhalten. Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse aus der Arbeit der jungen Experten!
