Neonazis nutzen Soziale Netzwerke intensiv und professionell. Dabei haben sie bemerkt, dass sie mit Rechtsextremismus der alten Schule nur die eigene Szene beeindrucken, der sie gern "GrüSSe" schicken. Wenn sie sich aber gegen Kindesmissbrauch engagiert zeigen, Diskussionen mit angeblich selbsterlebten Multikulti-Horrorgeschichten "bereichern" und jugendkulturelle Codes verwenden, gelingt es ihnen erschreckend oft, sich in Diskussionen zwischen Demokratinnen und Demokraten einzuklinken und dort Rassismus, Demokratiefeindlichkeit oder Bedrohungen gegen Andersdenkende zu platzieren - in der Hoffnung, langsam, aber sicher mit ihren hasserfüllten Ideen gesellschaftliche Normen zu verschieben.
Welche Nazis in Sozialen Netzwerken unterwegs sind, was sie dort genau tun, welche Codes sie verwenden und wie sie versuchen, nicht-rechte Jugendliche und Erwachsene anzusprechen, erläutert eine neue Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung, gefördert von Bundesjustizministerium:
"Zwischen Propaganda und Mimikry - Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken"
Bundesjustizministerin Sabine-Leutheusser-Schnarrenberger unterstützt die Aufklärungsarbeit dieser Broschüre nachdrücklich: "Mit dieser praktischen Handreichung lassen sich demokratiefeindliche Strategien früh durchschauen und Gegenargumente entwickeln, um die rechten Umtriebe zu kontern."
Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, ergänzt: "In den Sozialen Netzwerken verbringen Jugendliche heutzutage mehr Zeit als auf dem Schulhof. Sie sollten wissen, was sie tun können, wenn Menschenfeinde versuchen, sie zu manipulieren und auf ihre Seite zu ziehen."
Simone Rafael, Chefredakteurin von netz-gegen-nazis.de, arbeitet schon lange für die Amadeu Antonio Stiftung in Sozialen Netzwerken für Demokratie: "Wir sprechen hier von subtilen Formen, Rechtsextremismus, Rassismus und andere Menschenfeindlichkeiten zu verbreiten. Dagegen hilft nur Aufklärungsarbeit, Engagement der einzelnen Nutzerinnen und Nutzer - und Unternehmen, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen."
Die Broschüre fußt auf der Recherchearbeit der unabhängigen journalistischen Website www.netz-gegen-nazis.de und aus dem Projekt "http://no-nazi.net - Für Soziale Netzwerke ohne Nazis" (gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Freudenberg-Stiftung und Google Deutschland).
Sie ist in Printform erhältlich bei der Amadeu Antonio Stiftung.
Bestellung per Mail an: netz(at)amadeu-antonio-stiftung.de
Außerdem steht Sie im Internet zum Download bereit unter
www.netz-gegen-nazis.de/artikel/neonazi-web-strategien-1111
Aus dem Inhalt:
Das Modellprojekt "no-nazi.net - Für Soziale Netzwerke ohne Nazis"
Archetypen (von Autonomen Nationalist/innen bis zu Metal, NSBM und nordischem Kult)
Strategien (von Bürgerlicher Ansprache bis Propaganda-Spam)
Themen (von Meinungsfreiheit bis "Volkstod" als Popkultur)
Was wir tun: Ein Tag beim Monitoring
Sandys Weg in die rechtsextreme Szene der Sozialen Netzwerke
Gemeinsam aktiv für Soziale Netzwerke ohne Nazis - was wir alle tun können.
In Papierform vergriffen, aber online noch erhältlich ist auch die Vorgänger-Broschüre "Neonazis im Web 2.0: Erscheinungsformen und Gegenstrategien" (2010): www.netz-gegen-nazis.de/artikel/neonazis-im-web-20-erscheinungsformen-und-gegenstrategien-1212
Seit ihrer Gründung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Die gemeinnützige Stiftung steht unter der Schirmherrschaft des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages Dr. Wolfgang Thierse.
