Jugendstrafrecht

Wer eine Straftat begeht, kann sich sicher sein, dass er auch dafür bestraft wird. Nun ist es aber so, dass sich gerade Kinder und Jugendliche oft nicht bewusst sind, dass das was sie tun verboten ist. Sie können daher ihr Handeln und dessen Konsequenzen oft nicht richtig einzuschätzen. Deshalb werden jugendliche Täter nach dem Jugendstrafrecht verurteilt und nicht nach dem allgemeinen Strafrecht.

Das Jugendstrafrecht wurde eingeführt, da es sich bei Jugendkriminalität oft um relativ harmlose Vergehen handelt. Würde man Jugendliche nach dem allgemeinen Strafrecht verurteilen, stünde die Strafe nicht in Relation zur begangenen Tat. Denn Erwachsene besitzen im Gegensatz zu Jugendlichen ein besseres Urteilsvermögen, das sie ihr Handeln und dessen Konsequenzen besser einschätzen lässt, weswegen sie dann auch härter bestraft werden dürfen. Beim Jugendstrafrecht stehen vor allem die Resozialisierung und die Wiederherstellung des sozial angemessenen Verhaltens im Vordergrund und nicht so sehr die Bestrafung. So können Jugendliche beispielsweise erst inhaftiert werden, wenn schädliche Neigungen festgestellt wurden, d.h. wenn festgestellt wurde, dass der Täter auch in Zukunft wieder Straftaten erheblichen Gewichts begehen wird. Ist der Täter vorher noch nicht negativ aufgefallen und handelt es sich um ein eher leichtes Vergehen, wie beispielsweise Sachbeschädigung, beschränkt sich die Strafe meistens auf das Leisten von Sozialstunden oder eine Geldstrafe.

Im Jugendstrafrecht wird zwischen Jugendlichen (14-17-jährige) und Heranwachsenden (18-21-jährige) unterschieden, Kinder bis 14 Jahre sind noch strafunmündig. Bei Jugendlichen wird vor allem das Jugendgerichtsgesetz angewendet, das in verschiedenen Fällen auch auf Heranwachsende noch angewendet werden kann. Das Jugendgerichtsgesetz sieht als erste Maßnahme eines zweispurigen Sanktionensystems Erziehungsmaßregeln vor. Dazu zählen das Ableisten von Sozialstunden oder das Unterlassen des Besuchs von bestimmten Orten wie Gaststätten oder Diskotheken, um einen erneuten Konflikt zu vermeiden. Zu diesem zweispurigen Sanktionensystem gehören als zweite Maßnahme so genannte "Zuchtmittel". Mit ihnen werden Straftaten geahndet, wenn der Richter eine Jugendstrafe für nicht geboten hält, dem Jugendlichen aber deutlich machen will, dass er für das von ihm begangene Unrecht einzustehen hat. Die "Zuchtmittel" gliedern sich in drei Bereiche auf: Verwarnung, Auflagen und Jugendarrest. Der Jugendarrest ist eine kurze Freiheitsstrafe mit schuldausgleichendem und erzieherischem Charakter. Man unterscheidet zwischen Kurzarrest (bis zu sechs zusammenhängende Tage), Freizeitarrest(1-2 Wochenenden) und Dauerarrest (1-4 Wochen).

Als letztes Mittel und nur bei sehr schweren Vergehen wird der Täter zur Jugendstrafe verurteilt. Sie ist eine extra für Jugendliche und Heranwachsende konzipierte Freiheitsstrafe und ist die einzige im Jugendstrafrecht vorgesehene Kriminalstrafe. Sie dauert mindestens 6 Monate, aber maximal 5 Jahre. In Ausnahmefällen liegt das Höchstmaß bei 10 Jahren Freiheitsstrafe, allerdings nur bei Verbrechen, die im allgemeinen Strafrecht mit mehr als 10 Jahren Freiheitsstrafe geahndet würden. Im Vordergrund stehen bei der Bestrafung von Jugendtätern stets der Kerngedanke "Erziehung vor Strafe" und das Ziel, sie wieder in die soziale Gesellschaft einzugliedern.

Eine besondere Rolle spielt vor allem die Jugendgerichtshilfe, die den Verhandlungen von Anfang bis Ende beiwohnt. Sie ist dafür zuständig den Reifegrad des Täters festzustellen und bei Heranwachsenden anschließend auch anzuregen, ob dieser nach dem Jugendstrafrecht oder schon nach dem allgemeinen Strafrecht verurteilt werden soll.

 

Von der Straftat zum Vollzug

Der Weg von der begangenen Tat bis hin zur Vollstreckung der Strafe ist ein langer. Dabei ist es egal, ob es sich um Diebstahl oder um Körperverletzung handelt, die einzelnen Stationen bleiben die gleichen. Das Justizministerium Mecklenburg-Vorpommern hat dazu eine Seite eingerichtet, die Jugendlichen leicht verständlich den Weg von der Straftat bis zum Vollzug aufzeigen soll. Die frühzeitige Einstellung eines Verfahrens wird dabei genauso erklärt, wie auch die einzelnen Abläufe während der Verhandlung oder die verschiedenen Möglichkeiten, wie ein Gefangener sich in der Justizvollzugsanstalt beschäftigen kann.

Justizministerium Mecklenburg-Vorpommern http://www.regierung-mv.de/404