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Europa

Europa ist nicht nur ein Kontinent. Es ist eine Art zu leben (z.B. im Gegensatz zum "American Way Of Life"), es ist eine Kultur, eine Währung, eine politische Institution. Hier findest du Informationen zu/r

Europa allgemein

Geschichte Europas

EU

Europa - ein Überblick

Europa reicht von der Atlantikküste Portugals bis - ja, wohin? Um sagen zu können, wie groß Europa ist, muss man erstmal wissen, was Europa ist.
Die Definition, was Europa ist und was nicht, fällt sehr unterschiedlich aus, je nachdem, auf welche Gesichtspunkte der Fokus gelegt wird.
Name

Geographie

Politik

Wirtschaft

Kultur

 

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Europa

 

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Name

Schon woher der Name Europa kommt, ist umstritten.
Oft wird als Namenspatin die phönizische Königstochter Europa genannt. Der Sage nach verliebte sich der griechische Gott Zeus in sie. Er verwandelte sich in einen weißen Stier und entführte Europa auf die Insel Kreta, wo sie ihm drei Söhne gebar.
Andere sagen, der Name Europa komme von dem phönizischen "erob", "dunkel", "Abend", daher auch die Bezeichnung Abendland.

 

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Geographie

Geographisch ist Europa gar kein eigener Kontinent, sondern ein Subkontinent von Eurasien.
Besteht man darauf, dass Europa ein eigener Kontinent ist, wird es dennoch schwierig, Europa eindeutig von Asien abzugrenzen. Meist wird aber im Osten der Ural in Russland als Grenze angegeben.
Da es keine natürlichen Landmarken als sinnvolle Grenze gibt (so verläuft der Ural mitten durch Russland), ist die Abgrenzung zwischen Europa und Asien immer mehr oder minder willkürlich.
Im Süden wird oft die Grenze zur Türkei als Grenze Europas angegeben, aber auch das ist umstritten, da der nördliche Teil der Türkei geographisch noch in Europa liegt, Istanbul am Bosporus liegt genau auf der Grenze.

Europa hat eine Größe von ca. 10,5 Millionen Quadratkilometern, ist also nach Australien der zweitkleinste Kontinent. Mit über 700 Millionen Einwohnern ist Europa relativ dicht besiedelt. Die Bevölkerungsdichte konzentriert sich auf West-, Mittel- und Südeuropa, gen Osten und Norden nimmt sie immer weiter ab.

 

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Politik

Politisch betrachtet besteht Europa aus souveränen Staaten, von denen die meisten - aber nicht alle - in der Europäischen Union (EU) organisiert sind. Die Grenzen Europas werden politisch betrachtet daher oft unter Zuhilfenahme der Landesgrenzen der östlichsten bzw. südlichsten EU-Mitgliedsstaaten festgelegt.

 

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Wirtschaft

Wirtschaftlich ist Europa ein sehr wohlhabender Kontinent. Es gibt große Industriezentren wie der Großraum Paris oder das Ruhrgebiet, ertragreiche Landwirtschaft und einen immer größeren Dienstleistungssektor. Arbeitslosigkeit ist dennoch ein Thema, allerdings sind die Arbeitslosen durch Sozialpflegesysteme in der Regel abgesichert. Manche nehmen daher eine wirtschaftliche Abgrenzung vor.
Erwähnt werden sollte auch noch die Währungsunion mit dem Euro, die seit 1999 besteht und der mittlerweile 16 Staaten angehören. Dazu kommen noch 6 europäische Staaten, in denen der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wurde, ohne dass diese Staaten der EU angehören würden.

 

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Kultur

Etliche Städte in Europa wie Wien, Paris, Rom, Berlin, Moskau oder Salzburg gelten noch heute als kulturelle Zentren. Ob Kunst, Musik, Literatur, Theater, Mode oder Architektur, in Europa hat Kultur einen hohen Stellenwert und eine lange Tradition. Bildung ist ebenfalls sehr wichtig. In allen Staaten Europas gibt es eine Schul – bzw. Bildungspflicht, die Analphabetenrate ist sehr niedrig.


Kulturell werden die Grenzen Europas dann auch wieder anders festgelegt. Beispielsweise wird die Türkei meist noch dazu gerechnet, da in der Geschichte Byzanz/ Konstantinopel, das heutige Istanbul für das Geschehen in Europa eine große Rolle spielte.

Auch heute noch werden in der kulturellen Beurteilung Europas großzügige Ausnahmen gemacht. Israel zum Beispiel liegt unbestritten eindeutig in Asien, dennoch nimmt Israel regelmäßig an europäischen Wettbewerben wie dem Eurovision Song Contest oder der UEFA Fußball-Europameisterschaft teil. Hier wird die Einteilung, was Europa ist und was nicht, eher nach kulturellen Gemeinsamkeiten gefällt und nicht nach dem, was geographisch korrekt wäre.

 

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Geschichte

Die Geschichte Europas ist am ehesten als Prozess zu begreifen, in den unendlich viele Elemente mit hineinspielen. Herrschaftsgebiete, Stämme, Groß- und Kleinstaaten, Kaiser, Könige, Fürsten, Weltmächte, Mächte, die gerne Weltmächte gewesen wären, Mächte, die sich ihrer Macht nicht bewusst waren, Religionen und deren Vertreter, Eroberungs-, Glaubens-, Befreiungs- und Weltkriege, Kulturen von Jägern und Sammlern über antike Hochkulturen, mittelalterliche Hofgesellschaften und religiösen und ideologischen Fanatikern bis hin zu den modernsten Industrienationen. Dazu kommt eine immense Vielfalt an Sprachen, regionalen Besonderheiten und  geographischen Gesichtspunkten.

 

Frühgeschichte

Antike

Mittelalter

Renaissance und Reformation

17. und 18. Jahrhundert

19. Jahrhundert

Die Weltkriege

Der Kalte Krieg

Europäische Union

 

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Frühgeschichte

Ab wann Europa überhaupt besiedelt wurde, ist unklar, es gibt Hinweise auf Siedlungen von ca. 7000 v. Chr. an. Bestand die Bevölkerung zunächst aus Jägern und  Sammlern, die nomadisch umher zogen, entwickelte sich in der Jungsteinzeit allmählich der Ackerbau. Um 1800 v. Chr. setzte sich Bronze als Material durch, etwa 1000 Jahre später wurde dann auch Eisen hergestellt.

 

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Antike: Griechenland und Rom

Gegen Ende der Bronzezeit entwickelte sich in Griechenland eine neue Zivilisation, die nicht mehr viel mit den älteren griechischen Königreichen gemein hatte. Das antike Griechenland war aufgeteilt in viele kleine Stadtstaaten (Poleis). Es gab viele verschiedene Regierungsformen und Kulturen, überall wurde jedoch großen Wert auf Philosophie, Wissenschaft, Politik, Sport, Theater und Musik gelegt. Die Stadtstaaten gründeten zahlreiche Kolonien an den umliegenden Mittelmeerküsten, so zum Beispiel in der heutigen Türkei oder in Süditalien. Die Stadtstaaten bekriegten sich allerdings immer wieder untereinander, so dass ihre Kolonien im 4. Jahrhundert v. Chr. für Philipp II. von Makedonien leicht zu erobern waren. Sein Sohn, Alexander der Große, verbreitete mit seinen  Feldzügen die griechische Kultur in Persien, Ägypten und Indien und ermöglichte umgekehrt einen Wissensaustausch mit jenen Ländern.

Die Römer hatten ebenfalls ein leichtes Spiel mit den Griechen, zerstritten wie diese waren. Je weiter die Römer in die Gebiete der Griechen eindrangen, umso mehr übernahmen sie deren Kultur. Als Rom sich dann zur Weltmacht entwickelte und mehr und mehr Länder eroberte, wurde die ursprünglich griechische Kultur nicht nur im westlichen Mittelmeerraum verbreitet, sondern auch im Norden bis zum Rhein und den britischen Inseln, im Osten bis nach Rumänien und auch in einige Gebiete Mesopotamiens.
Zunächst war Rom ein Königtum, wurde aber um 475 v. Chr. eine Republik. Diese bestand im Kern aus Senat, Magistratur und Volksversammlung, wurde faktisch allerdings vom Senat beherrscht, der sich wiederum aus der adligen Oberschicht, den Patriziern, zusammensetzte.
Nachdem Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. die Seemacht Karthago besiegt war, gab es keine Macht mehr, die den Römern hätte die Stirn bieten können. Intern gab es jedoch zahlreiche Konflikte. Nach fast 100 Jahren Bürgerkrieg wandelte sich Rom von der Republik zum Prinzipat, dem Kaiserreich.
Der Abstieg des römischen Reiches begann im 3. Jahrhundert mit zahlreichen Bürgerkriegen. Auch Reformversuche konnten den Zerfall des Reiches maximal verlangsamen, aber nicht aufhalten. Ende des 4. Jahrhunderts wurde das Christentum, dessen Anhänger in den Jahren zuvor noch verfolgt worden waren, Staatsreligion, eine Reichskirche wurde gebildet. Gleichzeitig wurde das Reich aufgeteilt in das ost – und das weströmische Reich.
Im 5. Jahrhundert drangen immer wieder germanische Stämme in das weströmische Reich ein und schwächten den ohnehin schon schwachen Staat weiter, bis dieser unterging. Ostrom mit der Hauptstadt Byzanz hingegen hielt sich noch fast ein ganzes Jahrtausend, bis seine Hauptstadt 1453 erobert wurde.

Als endgültiges Ende der Antike gilt die Ausbreitung der Araber an den Mittelmeerküsten und von Kleinasien über Sizilien bis nach Spanien, deren Invasion in die nördlichen Gebiete Europas von Karl Martell gestoppt wurde.

 

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Mittelalter

Zu Beginn des Mittelalters drehten sich die meisten Konflikte um die Konkurrenzen zwischen dem byzantinischen Kaiser in Konstantinopel und dem neuen römischen Kaiser im Westen. Mit diesen Konflikten wurde der Grundstein für eine kulturelle Spaltung Europas gelegt, die bis heute andauert. Die Kultur wandelte sich stark, die einzige Institution, die den Untergang des römischen Reiches überlebt hatte, war die Kirche, die ihre Macht stetig weiter ausbaute. Lange Zeit hatte die Kirche nahezu das Monopol über Bildung und Wissenschaft. Dies änderte sich 800, als Karl der Große zum Kaiser gekrönt wurde. Seine Hauptstadt Aachen wurde zu einem weltlichen Zentrum für Kunst und Wissenschaften. Im Zuge der Eroberungszüge Karls des Großen wurde der Papst allmählich zum Lehnsmann des Kaisers, da der Papst nach Differenzen mit den byzantinischen Kaisern nicht mehr auf deren Schutz vertrauen konnte. Nach dem Tod Karls des Großen wurde das Reich unter seinen Erben aufgeteilt, was zu langwierigen Erbfolgekriegen führte, die erst 962 mit der Gründung des Heiligen Römischen Reichs und des Westfrankenreichs beendet werden konnten.
Gleichzeitig wurden Nord- und Osteuropa missioniert, bis schließlich ganz Europa christlich war. Schon damals gab es jedoch erste Abspaltungen, im byzantinischen Reich hatten sich die Vorläufer der heutigen orthodoxen Kirche entwickelt, die sich 1054 ganz abspaltete.
Insgesamt war der Feudalismus, das Lehnswesen, vorherrschend, Städte regierten sich jedoch weitgehend selbst.
Diese Entwicklung verstärkte sich im 11. Jahrhundert, als die ersten Universitäten gegründet wurden. Auch der Handel wurde wichtiger, und unabhängige Stadtstaaten wie Florenz oder Venedig wurden zu wirtschaftlichen und kulturellen Zentren.
In einigen Ländern wie Frankreich, England und Spanien entwickelten sich in diesem Zeitraum einheitliche Königreiche, während das heutige Deutschland und Italien in kleine Feudalstaaten und unabhängige Städte aufgesplittert blieben, die dem Kaiser nur formell unterstanden.
Die größte Katastrophe des Mittelalters war die Pest, die in mehreren Epidemien etwa ein Drittel der Bevölkerung Europas dahin raffte.
Als Ende des Mittelalters wird meist die Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen genannt.

 

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Renaissance und Reformation

Im 15. Jahrhundert hatten die Nationalstaaten wie Frankreich, England und Polen-Litauen viel Macht hin zu gewonnen, die Kirche hingegen hatte durch Korruption und interne Querelen viel an Einfluss eingebüßt. Kulturell wurde das Wissen der Antike wiederentdeckt.
1520 brach nach den 95 Thesen Martin Luthers 1517 die Reformation los, die zahlreiche Religionskriege zur Folge hatte.
Heinrich der VIII. von England brach durch die Gründung der anglikanischen Kirche mit Rom.

 

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Kolonialisierung

Obwohl in Europa fast immer irgendwo irgendein Krieg wütete, fanden die Staaten dennoch Zeit und Geld, um den Rest der Welt zu erforschen und zu erobern. Vorreiter waren Spanien und Portugal, aber Endland, die Niederlande und Frankreich holten bald auf.

17. und 18. Jahrhundert

Der längste Konflikt war der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648, an dem fast der ganze Kontinent beteiligt war. Als der Krieg mit dem westfälischen Frieden beendet war, hatte sich Europa gewandelt. Die feudale Gesellschaft löste sich auf, der Absolutismus wurde zur vorherrschenden Gesellschaftsform. Der Adel verlor durch den Untergang des Feudalismus viel von seinem Vermögen, das Bürgertum und seine Kaufleute wurden mächtiger und unabhängiger.
Für die einfachen Bauern war das Leben jedoch nach wie vor sehr hart, die Steuern und damit die Armut stiegen stetig, was 1789 in der französischen Revolution eskalierte. In Frankreich wurde eine Republik eingerichtet, die Idee der Gewaltenteilung verbreitete sich in ganz Europa. Die anderen Staaten, die ein Übergreifen der Revolutionen verhindern wollten, bildeten ständig wechselnde Koalitionen, die vornehmlich gegen Frankreich gerichtet waren.

 

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19. Jahrhundert

Napoleon, der während der französischen Revolution in der französischen Armee begonnen hatte, stieg zum Alleinherrscher über Frankreich auf, wurde aber 1815 bei Waterloo vernichtend geschlagen.

Die anderen europäischen Staaten bemühten sich, in Europa die Situation von vor 1789 wiederherzustellen, was ihnen, wenn überhaupt, nur kurzfristig gelang. Die Ideale der französischen Revolution hatten das Bürgertum stark beeinflusst. Die industrielle Revolution brachte einschneidende wirtschaftliche und soziale Veränderungen mit sich, was dazu führte, dass die Arbeiterklasse stark von sozialistischen und kommunistischen Denkbildern beeinflusst wurde. Im Zuge dessen waren die Jahre von 1815 bis 1871 geprägt von zahlreichen Umsturzversuchen. Auch wenn diese in der Regel niedergeschlagen wurden, waren die meisten Staaten bis 1871 nicht mehr absolutistisch und hatten eine Verfassung.
In den letzten Jahren des 19. Jahrhundert kam es zu immer stärkeren wirtschaftlichen und machtpolitischen Konkurrenzen zwischen europäischen Großmächten. Starke Militarisierung, Wettrüsten, Kämpfe um die Kolonien vor allem in Afrika und Asien und eine überhöhte Betonung der Nationalität mündeten 1914 im ersten Weltkrieg.

 

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Die Weltkriege

Der 1. Weltkrieg forderte über 10 Millionen Opfer, vor allem im Stellungskrieg in Nordfrankreich. Obwohl Russland zu den Verlieren zählte – was in Russland zum Ausbruch der Oktoberrevolution und dann zur Gründung der Sowjetunion führte – siegten Russlands Bündnispartner England und Frankreich.
Die Kriegskosten waren immens. Alle Beteiligten waren davon ausgegangen, die Kosten nach dem Sieg durch Reparationszahlungen der Verlierer refinanzieren zu können. Da die Kosten des Krieges die europäische Wirtschaftsleistung aber um ein Vielfaches überstiegen (umgerechnet kostete der erste Weltkrieg knapp 10 Billiarden Euro), wurden auch die Siegermächte Schuldner der USA.
Der Friedensvertrag von Versailles legte vor allem Deutschland hohe Reparationszahlungen auf, die in Deutschland 1923 zur Hyperinflation führte. Dies und die Weltwirtschaftskrise 1929 bewirkte den großen Zulauf für die demokratiefeindlichen Parteien, in Deutschland die KPD und die NSDAP. Die NSDAP gewann diesen Wettlauf, so dass 1933 Hitler an die Macht kam.
Der Nationalsozialismus führte mit zum 2. Weltkrieg, der mit etwa 50 bis 55 Millionen Toten der bisher größte und verheerendste Konflikt der Menschheitsgeschichte war. Zu den Opfern zählten nicht nur Soldaten, sondern auch zahlreiche Zivilisten, z.B. die Einwohner der bombardierten oder eroberten Städte, die Opfer der Hungersnöte der Kriegswinter und die zahlreichen Vertriebenen. Dazu kommen noch die hohe Opferzahl der Kriegs- und Internierungslager der Sowjetunions und Japans, sowie die Opfer in den deutschen Konzentrationslagern: Homosexuelle, Sinti und Roma, "Asoziale"(Obdachlose, Wanderarbeiter, Alkoholiker, Geisteskranke….), politische Gegner und Juden, von denen allein über 6 Millionen ermordet wurden.
Nach dem Suizid Hitlers erfolgte am 8.Mai 1945 die deutsche Kapitulation. Japan hingegen kapitulierte erst im August 1945 nach dem Abwurf zweier Atombomben auf die Städte Hiroshima und Nagasaki.   

 

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Der Kalte Krieg

Nach dem 2. Weltkrieg war die europäische Landkarte erneut verändert. Die Weltpolitik wurde vom Kalten Krieg zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion bestimmt, was in Deutschland durch die Teilung in BRD und DDR besonders offensichtlich wurde.
Die USA betrachteten Westeuropa als unter ihrem Einfluss stehend und gründeten die NATO, um sich gegen eine mögliche russische Invasion zu schützen, die Sowjetunion beanspruchte Osteuropa und gründete den Warschauer Pakt.
Der Eiserne Vorhang, der Europa teilte, fiel erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1990.

 

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Europäische Union

Westeuropa wuchs während des kalten Krieges enger zusammen, was in der Gründung der EU mündete, der nach der Wende erst die DDR, dann nach und nach andere Osteuropäische Staaten beitraten. Heute gehören der EU 27 Staaten an, von denen einige sogar eine Währungsunion mit dem Euro gebildet haben.

 

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Europäische Union

Die europäische Union ist eine politische Institution, ein Staatenverbund, zu dem Deutschland auch gehört und der unser Leben inzwischen stark beeinflusst, sei es direkt oder indirekt. Hier gibt es Infos über die EU.

Allgemeines

Geschichte der EU

Europawahl

EU hautnah - ein Reisebericht

 

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Was die EU?

"Brüssel hat entschieden..." - "Der Ratspräsident der EU teilte mit, dass..." "Die europäische Kommission legte fest..."
Die Nachrichten sind voll von Meldungen, die die EU betreffen. Warum? Was ist die EU und warum ist sie so wichtig?

Bei der EU handelt es sich um eine Mischung aus Staatenverbund und Bundesstaat, der aus derzeit 27 Staaten besteht, die insgesamt ca. 500 Millionen Einwohner zählen.
Die EU ist supranational organisiert, also "über" den einzelnen Nationen. Teilweise überschneiden sich ihre Kompetenzen mit denen eines "regulären" souveränen (unabhängigen) Staates, teilweise gehen sie darüber hinaus, und teilweise sind die Kompetenzen enger gefasst.
Ich will versuchen, anhand der Organe der EU zu erklären, was damit gemeint ist:

Europäischer Rat
Der europäische Rat besteht aus den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten sowie dem Kommissionspräsident und dem Präsidenten des europäischen Rates, wobei die beiden letzten nur beratende Funktion haben. Der Präsident wird auf zweieinhalb Jahre gewählt und leitet die Sitzungen, die zweimal halbjährlich stattfinden und oft auch als "EU-Gipfel" bezeichnet werden. Der Rat hat seiner Beschreibung nach keinen direkten Einfluss auf exekutive und Legislative der EU, sondern soll dazu dienen, Kompromisse zwischen den Mitgliedsstaaten zu finden und Impulse für die weitere Entwicklung der EU zu geben. Faktisch wird in diesem Gremium aber eigentlich alle Themen entschieden, die die Grundlage für die entsprechende EU-Gesetzgebung bilden.

Rat der europäischen Union (Legislative)
Nicht zu verwechseln mit dem Europäischen Rat, deshalb wird er zur Abgrenzung oft auch als Ministerrat oder (in Vertragswerken) nur als Rat bezeichnet. Sitz ist Brüssel.
Jeder Mitgliedsstaat entsendet je einen Vertreter in den Rat. Der Vorsitz wechselt halbjährlich zwischen den Mitgliedsländern, die EU-Ratspräsidentschaft. Der Rat übt zusammen mit dem europäischen Parlament die Rechtssetzung der Europäischen Union aus, das umfasst den erlass von Verordnungen, Richtlinien, Beschlüssen, Empfehlungen und Stellungnahmen. Zudem soll in diesem Gremium die intergouvernementale (zwischenstaatliche) Arbeit koordiniert werden, wie beispielsweise die gemeinsame Außen – und Sicherheitspolitik; faktisch geschieht diese Abstimmung, zumindest deren Grundlagen, im Europäischen Rat.

Europäisches Parlament (Legislative)
Das Europäische Parlament, das seit 1979 von allen EU-Bürgern direkt bei der -> Europawahl gewählt wird, ist die andere Hälfte der europäischen Legislative. Tagungsorte des Parlamentes sind sowohl Straßburg als auch Brüssel.
Die Zahl der Abgeordneten richtet sich nach der Einwohnerzahl des jeweiligen Landes. Gewählt wird nach den nationalen Parteien, deren Abgeordnete sich gemäß thematischer Überschneidungen im Parlament zu europäischen Fraktionen zusammengeschlossen haben. Den Vorsitz haben der Präsident des europäischen Parlamentes inne, der von den Abgeordneten aus ihrer Mitte gewählt wird, und dessen Stellvertreter inne. Der Präsident und seine Stellvertreter bilden das Präsidium.

Europäische Kommission (Exekutive)
Die Kommission besteht zurzeit aus 27 Kommissaren, für jedes Mitgliedsland einen. Die Leitung liegt beim Kommissionspräsidenten, bis 2014 ist das noch der Portugiese José Manuel Durão Barroso. Sitz ist ebenfalls Brüssel.
Obwohl die Kommission eigentlich der Exekutive angehört, und damit als eine Art europäische Regierung zu verstehen ist, hat sie auch legislative Aufgaben: die Kommission besitzt das alleinige Initiativrecht für EU-Rechtsakte, d.h. nur die Kommission darf Vorschläge für Gesetze einreichen. Die Kommission ist auch "Hüterin der Verträge", sie überwacht die Einhaltung des Europarechts und kann beim europäischen Gerichtshof Klage einreichen.

Europäische Zentralbank (Zentralbank)
Die europäische Zentralbank sitzt in Frankfurt am Main. Sie ist politisch unabhängig. Sie überwacht die Geldpolitik des Euroraumes und legt für diesen die Leitzinsen fest.

Gerichtshof der europäischen Union (Judikative)
Der Begriff Gerichtshof der europäischen Union umfasst das gesamte Gerichtssystem der EU, das in Luxemburg ist. Der europäische Gerichtshof ist das höchste Gericht, dazu gibt es noch das europäische Gericht, das die erste, quasi vorgeschaltete Instanz darstellt. Beide Gerichte bestehen aus mindestens einem Richter je Mitgliedsstaat, die von mindestens 8 Generalanwälten unterstützt werden.

Europäischer Rechnungshof (unabhängiges Kontrollorgan)
Der europäische Rechnungshof besteht seit 1975 und befindet sich in Luxemburg.
Seine Aufgaben sind die Rechnungsprüfung sämtlicher Einnahmen und Ausgaben der Union und die Kontrolle der Rechtmäßigkeit der Haushaltsführung.


Betrachtet man nun diese Organe sieht man, dass die EU in manchen Bereichen weniger Kompetenzen als ein einfacher Staat hat, in anderen mehr. Die Rechtsakte der Union gelten für alle Mitgliedsstaaten.
Dies hat zu der Kritik geführt, die EU habe ein Demokratiedefizit: unter anderem wird die machtvolle Position des europäischen Rats bemängelt, der de facto alle relevanten Entscheidungen trifft und die Mitglieder theoretisch in der Lage versetzt, Gesetzesvorhaben, die national nicht durchzusetzen sind, indirekt über EU-Recht verpflichtend zu machen.
Weiterhin wird kritisiert, der EU fehle es an Demokratie schon allein „mangels Volk“, da bei den Europawahlen nur nach nationaler Beurteilung der Parteien gewählt werde und auch die jeweiligen Medien kaum über die EU als ganzes, sondern nur national motiviert berichten würden.


Quellen:

de.wikipedia.org/wiki/EU
de.wikipedia.org/wiki/EU
de.wikipedia.org/wiki/EU
de.wikipedia.org/wiki/Demokratiedefizit_der_Europ%C3%A4ischen_Unionhttp://socio.ch/demo/t_umbricht.htm

 

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Geschichte der EU

Das heutige Europa ist stark geprägt von der EU. Wie kam es eigentlich dazu, dass die meisten europäischen Staaten Teile ihrer Souveränität aufgaben und sich der EU unterordneten?

Die Entstehung der EU war nicht geplant, zumindest nicht so, wie man heute beispielsweise den Bau eines Hauses planen würde. Es war eher so, dass man Europa vereinen wollte, und dann eben Schritt für Schritt dafür tat, was zu diesem Zeitpunkt gerade möglich war. Nach einer Weile wurde rückblickend zusammengefasst, wo man stand und was man schon erreicht hatte, und das ganze dann mit Hilfe von Verträgen geordnet. So lässt sich vielleicht verstehen, warum die EU teilweise unübersichtlich erscheint, und warum es so schwierig ist, zwischen den Mitgliedern eine Einigung zu erzielen.

Einige Politiker dachten nach den zwei Weltkriegen (die vor allem der viel zitierten "Erbfeindschaft" zwischen Frankreich und Deutschland nur noch mehr Nahrung gegeben hatten), dass es Zeit wäre, Europa zu einigen und vor allem zu befrieden.

1951 wurde deshalb die EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl), auch Montanunion genannt, gegründet. Ziel war es, die Schwerindustrie (Kohlebau, Eisen- und Stahlproduktion) unter eine supranationale, also übernationale Aufsicht zu stellen, eine Aufsicht, die nicht national motiviert war, sondern die Interessen ganz Europas (oder zumindest der damaligen Mitglieder der Montanunion) insgesamt betrachtete. Der Grund, dass man sich gerade diesen Wirtschaftszweig für einen solchen Versuch auswählte, war der, das die Schwerindustrie kriegswichtig war, zum Bauen von Panzern, Helmen und Granaten wird nun einmal Stahl benötigt.
Wurde diese Wirtschaft nun in mehreren Ländern unparteiisch kontrolliert, würde sofort auffallen, falls eines der Länder wieder begann, aufzurüsten. Auch Racheakte aufgrund von Kriegsschäden wurden dadurch ausgeschlossen, Frankreich hatte zum Beispiel 1923 das Ruhrgebiet besetzt, um von Deutschland seine Reparationszahlungen aus dem 1. Weltkrieg einzutreiben.
Für Deutschland war diese Gemeinschaft eine Möglichkeit, sich mit Frankreich auszusöhnen und sich stärker an den Westen zu binden, dessen Unterstützung man brauchte: Deutschland war bereits geteilt, und die Sowjetunion damit gefährlich nahe.
Neben Frankreich und Deutschland traten der EGKS noch die Beneluxstaaten (BElgien, Niederlande/ NEderlands und LUXemburg) und Italien bei.

Kurze Zeit später plante man die EVG, die Europäische Verteidigungs-Gemeinschaft, die jedoch am negativen Votum Frankreichs 1954 scheiterte.

1958 traten die Römischen Verträge in Kraft, in denen die EWG (Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft) und Euratom/ EAG (Europäische Atomgemeinschaft) festgeschrieben wurden, unterzeichnet von Vertretern aller Mitgliedsstaaten der EGKS.
Die EWG schuf einen Sozialfonds, um die Lebensstandards in den Mitgliedsländern zu heben; die europäische Investitionsbank wurde geschaffen, die wirtschaftlich schwächere Gebiete fördern sollte, und der europäische Entwicklungsfonds entstand, der die ehemaligen Kolonien von Frankreich, Belgien Italien und der Niederlande unterstützen sollte.
Euratom sollte die zivile Nutzung der Atomkraft kontrollieren.

1961 stellte Großbritannien einen Antrag, um in die EWG aufgenommen zu werden, was Frankreich bzw. dessen Präsident De Gaulle vehement verweigerte.
1967 fusionierten EGKS, EWG und Euratom zur Europäischen Gemeinschaft (EG), 1968 wurde eine Zollunion geschaffen. Im gleichen Jahr trat Charles de Gaulle zurück, so dass nun, ohne eine französische Blockade, erneut über einen Beitritt der Briten verhandelt werden konnte. Irland und Dänemark hatten ebenfalls Interesse bekundet, doch zogen sich das genaue Ausformulieren der Vertragsdetails und die nationalen Diskussionen, ob man nun beitreten wollte oder nicht, bis 1973 hin.

1979 trat das europäische Währungssystem (EWS) in Kraft, das dafür sorgte, dass die Wechselkurse zwischen den verschiedenen europäischen  Währungen einigermaßen stabil blieben, um die europäische Wirtschaft zu stützen. Als gemeinsame Verrechnungseinheit gab es den ECU (European Currency Unit), der, bis er vom Euro abgelöst wurde, seinen Zeck auch erfüllte.
Im gleichen Jahr wurde das Europaparlament, das es seit 1951 gab, zum ersten Mal direkt gewählt und wurde damit zu einem "richtigen", weil demokratisch legitimierten Parlament.

1981 wurde dann Griechenland in die EG aufgenommen, 1986 folgten Spanien und Portugal.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Wiederereinigung Deutschlands 1990 bemühten sich vor allem Frankreich und Großbritannien noch stärker um die europäische Einigung.
1992 wurde in Maastricht der Vertrag über die europäische Union, auch Unionsvertrag, ausgearbeitet, der Ende 1993 in Kraft trat. Ab diesem Zeitpunkt wurde dann auch von der europäischen Union gesprochen. Im Vertrag wurde die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) festgelegt und die Zusammenarbeit in Justiz- und Innenpolitik; außerdem wurde für spätestens 1999 eine gemeinsame Währung beschlossen.

1995 traten Österreich, Schweden und Finnland der EU bei.

1996 wurde der Euro-Stabilitätspakt festgelegt, um die geplante gemeinsame Währung zu schützen. 1999 wurde sie als Buchgeld eingeführt, 2001 als einziges offizielles Zahlungsmittel.

2004 gab es eine große Erweiterungsrunde, bei der 10 Staaten beitraten, nämlich Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Malta und Zypern(Zypern ist bis heute in einen türkischen und griechischen Teil geteilt, faktisch ist nur der griechische Südteil Mitglied der EU. Zypern ist auch der erste Staat, der Mitglied der EU ist, geografisch aber nicht in Europa liegt). Slowenien führte schon 2007 den Euro ein, 2008 in Malta und dem griechischen Teil Zyperns, seit 2009 gibt es den Euro auch in der Slowakei.
2007 traten außerdem noch Bulgarien und Rumänien in die EU ein.

2007 wurde auch der Lissabon-Vertrag auf den Weg gebracht (trat 2009 in Kraft). Er reformierte die alten Verträge über die Eu, die teilweise schon abgelaufen waren. Die wesentlichen Punkte des Vertrags von Lissabon waren auch in der geplanten EU-Verfassung enthalten, die an den negativen Referenden (Volksentscheiden) in Frankreich und den Niederlanden gescheitert war.
Wesentliche Punkte waren unter anderem die rechtliche Fusion von EU und EG, die Ausweitung der Rechte des europäischen Parlaments, die stärkere Beteiligung der nationalen Parlamente bei der Rechtsetzung der EU und die Rechtsverbindlichkeit der EU-Grundrechtecharta.

 

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Europawahl

Die Europawahl ist die alle fünf Jahre stattfindende Wahl zum europäischen Parlament. Es gibt sie seit 1979, vorher wurden die Mitglieder des Parlaments von ihren Regierungen besetzt.

Die Wahlsysteme sind momentan noch national, d. h., in jedem Land wird entsprechend des dort gültigen Wahlsystems gewählt, und die Kandidaten werden national in Listen aufgestellt – es ist z.B. nicht möglich, in Deutschland über dänische Kandidaten abzustimmen. Wer im EU-Ausland lebt, kann allerdings entscheiden, ob er an seinem Wohnort oder in seinem Herkunftsland wählen möchte.
Nach der Wahl können sich die Abgeordneten gemäß ihrer politischen Überzeugungen zu Fraktionen zusammenschließen.

Auch das Wahlalter ist unterschiedlich, in den meisten Ländern sind alle ab 18 wahlberechtigt, in Österreich z.B. aber schon alle ab 16.
Auch das passive Wahlrecht (= Wählbarkeit, sprich, sich zum Abgeordneten wählen zu lassen) wird unterschiedlich gehandhabt, in der Regel liegt es ebenfalls bei 18 Jahren, in Italien und Zypern ist man jedoch erst ab 25 wählbar.

Die Rolle des EU-Parlaments wurde in den letzten Jahren deutlich gestärkt, dennoch hat das Parlament (und seine Abgeordneten) immer noch deutlich weniger Macht als nationale Parlamente: national wird der Regierungschef meist vom Parlament gewählt (oder doch wenigstens direkt vom Volk), in der EU wird der Präsident der europäischen Kommission von den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten ernannt und vom Parlament nur bestätigt.
Das Parlament kann auch die Kommission als ganzes durch ein Misstrauensvotum zu Fall bringen, aber eben nur als ganzes: es können nur alle Mitglieder auf einmal abgelehnt werden, nicht nur einzelne.

Da es keine länderübergreifenden Listen gibt, werden im Europawahlkampf von den Parteien meist nationale Themen verwendet, es zählt nicht die europäische, sondern die nationale Arbeit, um gewählt zu werden. Dies wird oft als Grund genannt, warum die Wahlbeteiligung bei der Europawahl so stark zurückgegangen ist, was wiederum extremistischen oder populistischen Parteien, die ihre Wähler stärker mobilisieren, im Parlament leichter ein Forum bietet.

 

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EU Hautnah

Mit Schülerzeitungsredakteuren in der Europa-Stadt Brüssel unterwegs. Ganz subjektive Reisenotizen.

 

1. Tag
"In Vielfalt geeint" - das Thema der Europawoche vom 30. April bis 9. Mai 2005. In Vielfalt geeint waren sozusagen auch die 19 SchülerzeitungsredakteurInnen, zwei Lehrer und zwei Pressevertreter, der Jugendserver-Saar natürlich mit dabei. Von Merzig bis Homburg, von Saarlouis bis St. Wendel kamen die Interessierten nach Brüssel, um das Herz der Europäischen Union (EU) näher zu betrachten. Gegen 11.30 Uhr kommt dann die hochgespannte Reisegruppe in Brüssel an - und betritt gleich wieder saarländischen Boden. Erste Station war nämlich die Vertretung de Saarlandes bei der EU, sozusagen die Außenstelle des Ministers für Europa- und Bundesangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Karl Rauber, der auch zur All-Inclusive-Fahrt eingeladen hat. Stefan Feiler, Leiter des Büros hat die Gruppe begrüßt und dann ging es auch gleich mit seiner Mitarbeiterin Gudrun Jakobs, ab diesem Zeitpunkt immer dabei, weiter zur Europäischen Kommission, Gebäude Berlaymont. Wie es sich für anständige Redakteure gehört, verschafft man sich zuerst mal einen Überblick, was denn heute so ansteht. Natürlich im Pressebriefing der 900 Europakorrespondenten des Brüsseler Pressecorps, organisiert vom Sprecherdienst der Europäischen Kommission. Sehr wichtig sitzt man hier im Sessel, zu seiner linken Kopfhörer, um sich das Gesprochene in die Sprache seiner Wahl, 20 stehen zur Auswahl, übersetzen zu lassen und ein Mikro, damit man das Briefing mit seiner Frage auch bereichern kann. Dadurch, dass sich hier alle mit Vornamen anreden, wirkt alles sehr familiär, gerade, wenn man aus Deutschland kommt.

 

In einem Gebäude - eines unter 70, die von europäischen Institutionen angemietet sind - gab es dann Infos zur EU. Die temperamentvolle Isabelle Trautmann - sie hält von Mikros nicht viel, entweder kann sie ihre Zuhörer mit der Kraft ihrer eigenen Stimme beschallen oder sie lässt es lieber gleich - freiberuflich als externe Sprecherin in der Generaldirektion Bildung und Kultur, verschafft den Jungjournalisten einen objektiven Einblick in die Arbeit der EU. So macht sie beispielsweise klar, dass ein Kommissar - jedes Land schickt einen, zusammen bilden sie die Europäische Kommission und damit die Exekutive der EU und so etwas wie "den Rat der Weisen" - nicht über die modernen Machtinsignien, wie Bodyguard, Chauffeur und Eskorte verfügt, sondern dass Günter Verheugen, der deutsche Kommissar, ganz normal am Ende seines Arbeitstages, seine Materialen zusammenpackt und nach Hause geht, ohne viel Aufwand. Wer so ein Amt also innehat, kann sich nicht auf äußerliche Zeichen verlassen, sondern muss von vornherein ein starkes Rückgrat haben und mit seiner Persönlichkeit beeindrucken, nicht mit Eskorte. Außerdem bedauert sie, dass in Deutschland immer noch nicht die Relevanz der EU deutlich ist. Wer in Frankreich weiter kommen will, der muss quasi nach Brüssel. Wer in Deutschland politische Karriere machen will, geht besser nicht nach Brüssel, weil die dort erworbenen Kompetenzen in seinem Heimatland nicht geschätzt werden, es bedeutet eher einen Karriereknick. Man schaut eher, wen man denn in Deutschland entbehren kann und schickt ihn dann nach Brüssel. Aber mal sehen, vielleicht ändert sich das ja noch mit der Zeit. Vielleicht auch wegen solcher Informationsfahrten.     
Interessant findet sie auch die verschiedenen Nationen, die hier täglich mit den unterschiedlichsten Gepflogenheiten zusammenarbeiten. Deshalb ist die Kommunikation innerhalb der EU so schwierig. Weil: Man kann nicht alles wortwörtlich von einer in die andere Sprache übersetzen. Dadurch besteht die Gefahr von Missverständnissen viel öfter. Aber diese Mehrsprachigkeit bietet auch viele Vorteile. Trautmanns Söhne wachsen dreisprachig auf, ihr Ältester paukt jetzt für die vierte Sprache Spanisch das erste Mal Vokabeln, ein Traum. Einer ihrer Söhne kam mal aus der Schule und erzählte von einem Jungen, der ganz arm sei: Er spricht nur eine Sprache.
Michael Niejahr von der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sprach über die Zukunft Europas und die EU-Verfassung. Wird sie von allen Mitgliedsstaaten anerkannt, gibt es beispielsweise einen EU-Außenminister.

Anschließend wurde sich ausnahmsweise nicht mit Europa, sondern mit Brüssel beschäftigt. Das internationale Flair dieser Stadt war deutlich zu spüren. Klar, Belgien ist ja auch erst seit 1830 eigenständig. Vorher wurde es zwischen verschiedenen Ländern hin- und hergerissen. Noch heute gibt es einen flämischen, einen französischen und einen ganz kleinen deutschen Teil.
Der "Grand Place" ist ganz chic, aber Brüssel ist dreckig. Ziemlich viel Müll liegt rum. Und viel von der Stadt sieht man eigentlich auch nicht, wenn man zu Fuß unterwegs ist, denn da guckt man lieber vor sich auf den Boden, um Hundehaufen auszuweichen. Und das, obwohl Verbotsschilder auf den Pflastersteinen aufgemalt sind. Mit dem Bus unterwegs, werden die zwei Gesichter der Stadt schnell klar: Auf der einen Seite sieht es aus wie im Kosovo, auf der anderen Seite scheint Manhattan zu warten. Man sollte auch vorsichtig sein hier, keine Wertsachen im Bus lassen und so weiter. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist ziemlich groß. Apropos Bus: Busfahrer ist hier wohl niemand freiwillig: Enge Straßen, verstopfte Kreuzungen, bei gelb wird gefahren, was das Zeug hält. Gut, in Brüssel ist es auch lange gelb, sagt zumindest der Reiseführer. Abendessen gab es wieder zu Hause, also in der Landesvertretung, die Anlaufstelle für alle saarländischen Belange schlechthin, hier wird jedem Saarländer weitergeholfen - und Anfragen sogar auf platt beantwortet. Wer will, kann hier auch ein Praktikum absolvieren. Anschließend ging es ins Jugendhotel. Von da an konnte jeder machen, was er will. Also los zum berühmtesten Wahrzeichen der Stadt, dem Menneken Pis. Enttäuschend. Nicht größer als ein zweijähriges Kind, fast wären wir daran vorbeigelaufen. So viel Wind um eine so kleine Figur.

 

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2. Tag

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen geht es weiter mit den EU- Institutionen: Das Europäische Parlament steht auf dem Programm. Im Plenarsaal auf den Besucherrängen treffen wir Doris Pack. Die saarländische Abgeordnete sitzt für die europäische Mutterpartei der CDU im Parlament. Im Parlament sitzen nämlich Fraktionen, keine Nationen. Deshalb gibt es auch keine fest definierten Zahlen, wie viel Deutsche im Parlament sitzen. Sie sitzen dort nämlich als EU-Bürger. Und es kann durchaus sein, dass ein Franzose von einem deutschen Wahlkreis ins Parlament gewählt wird. Oder ein Italiener. Oder ein Finne. Doris Pack geht es vor allem darum, Interessierten Europa zu vermitteln, keine Parteipolitik. Im europäischen Parlament gibt es keine Fraktion mit der absoluten Mehrheit. Um Entschlüsse zu fassen, müssen sich immer Mehrheiten finden. Und diese werden nicht nach parteipolitischen Interessen gefunden, sondern im Interesse von Europa. Eigentlich müsste das auf allen Ebenen so funktionieren, denkt man sich da. Alle vier Europaabgeordnete besuchen übrigens auch gerne Schulklassen: Jo Leinen, Hiltrud Breyer, Jorgo Chatzimarkakis, der uns auch einen kurzen Besuch abstattete und eben Doris Pack.

 

Judith Ecker ist Beamtin im Europäischen Parlament und arbeitet im Umweltausschuss mit. Rund 7.000 Menschen sind im Parlament beschäftigt. Die Hälfte davon ist dafür zuständig, dass Reden, Texte und ähnliches in 20 Sprachen übersetzt werden.

Nach dem Besuch im Parlament ging es weiter zur Europaschule. Von denen gibt es insgesamt zwölf. Alle, die bei den europäischen Institutionen arbeiten, dürfen ihre Kinder dort hinschicken, andere auch, die bezahlen allerdings 4.500 Euro im Jahr. Bei Mitarbeitern der EU-Institutionen zahlt diese Summe der Arbeitgeber. Auf dem zwischen 4.000 und 5.000 m2 großen Gelände tummeln sich 2.800 SchülerInnen jeden Alters und verschiedener Schulformen. Eine Eliteschule sei die Europaschule nicht, erklärt uns der pädagogische Leiter der Schule. Nun gut, wenn man Elite auf das Bildungsniveau bezieht, dann nicht. Von Hauptschüler bis Gymnasiast wird hier jeder unterrichtet. Bezieht man Elite aber auf die finanziellen Voraussetzungen, dann liegt man mit Elite nicht so falsch. Oder welche andere Schule schickt ihre SchülerInnen auf eigene Kosten auf Klassenfahrt nach Kuba?

 

Sowieso wirkt hier alles größer, moderner und besser ausgestattet. Wobei wir nicht die Möglichkeit hatten, an einer Unterrichtsstunde teilzunehmen. Vielleicht hätte das den Eindruck relativiert.

Jedenfalls gab es zum Mittagessen ein besonderes Highlight. An der bekanntesten Frittenbude Brüssels, dem "Maison Antoine", gab es Pommes für alle - und die Möglichkeit, direkt um die Ecke Neuhaus-Pralinen zu kaufen, das sind die belgischen Pralinen mit der längsten Tradition. Merkt man auch am Preis. Aber auch am Geschmack.

Dann hatten die NachwuchsjournalistInnen Gelegenheit, sich mit einem echten Profi zu unterhalten. Rolf-Dieter Krause leitet das ARD-Studio in Brüssel. Sein Motto: Nur wer fragt, bekommt Informationen. Deshalb gab es auch keine lange Rede, sondern gleich die Gelegenheit, ihm Fragen zu stellen. Ob nun zu der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands, kurz ARD oder zu Medien allgemein oder zur Informationspolitik der EU.
Ihm persönlich - und wohl auch Deutschland generell - fehlen JournalistInnen mit Biss. Er hat das Gefühl, die haben irgendwo ihre Zähne verloren. Er braucht für sein Studio Menschen, die nachhaken, eine Message rüberbringen wollen und die etwas bewirken wollen. Die Nase in die Kamera zu halten, sei ein notwendiges Übel, aber nicht der Hauptpunkt der journalistischen Arbeit. Apropos Kamera: Das Studio ist sehr winzig. Ziemlich witzig ist aber, wenn die Regie Rolf-Dieter Krause in einen gerade laufenden Zeichentrickfilm einbindet und er zwei Minuten später im "Kommentar"-Fenster der Tagesthemen erscheint. 

 

Stefan Feiler, Chef der saarländischen Vertretung in Brüssel hofft, dass die Gruppe zu Hause konstruktiv kritisch mit Europa umgeht. Nicht alles schlecht reden, was aus Brüssel kommt, aber auch niemanden verurteilen, nur weil er etwas Kritisches über die EU sagt.
Wenn man Europa in Brüssel live erlebt, ist es sehr viel spannender, als man sich das vorstellen kann, wenn man im Politik-Grundkurs die Entwicklung der EU bearbeitet. Eigentlich müsste jede Klasse, bei denen Europa auf dem Stundenplan steht, zwei Tage in Brüssel verbringen. 

 

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