Alltagsrassismus bekämpfen

Am Donnerstag, dem 26.10. fand in Saarbrücken die Fachtagung des Projekts Islam im Saarland – Saarländischer Islam?! (isaar) zum Thema „Muslimische Lebenswelten in migrationsgesellschaftlicher Realität“ statt. Auf der Fachtagung sollten Impulse und Handlungsansätze für Pädagogik und Bildung vorgestellt und diskutiert werden, um die Diskriminierung von muslimisch wahrgenommenen Menschen im Alltag zu verhindern.

 

Zu Beginn wurden die rund 80 Teilnehmenden von Karin Meißner vom Projekt Islam im Saarland – Saarländischer Islam?! (isaar) begrüßt, die das Programm für den Tag vorstellte. Anschließend startete auch schon der erste Vortrag. Prof. Dr. Ulrike Zöller von der HTW des Saarlandes gab viele Anstöße zu wissenschaftlichen Diskursen rund um das Thema Antimuslimischer Rassismus und dessen Wechselwirkungen mit gesellschaftlichen Integrationsdiskursen. Unterbrochen wurde der Vortrag durch einen Poetry-Slam-Beitrag von Äya Zitouni. Die Schülerin kam eigens für diesen Vortrag zur Fachtagung und wurde anschließend für eine Matheklausur wieder zur Schule gebracht – um später zurückzukommen und einen Workshop zu leiten. Ihr Beitrag war sehr emotional und berichtete von ihren Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung als Kopftuch-tragende Muslima.

 

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit einem Vortrag von Nina Mühe, die sich besonders mit den Diskriminierungserfahrungen von Musliminnen und Muslimen in Schulen beschäftigte. Nach einer kurzen Einführung in den Begriff „antimuslimischer Rassismus“ und dessen Wirkungsweise schockte Nina Mühe zunächst mit aktuellen Zahlen, nach denen rund ein Drittel aller LehrerInnen zum Beispiel muslimischen Schülerinnen und Schülern weniger Leistung zusprechen und ihnen dadurch weniger Förderung zu Teil wird. Die Zahlen trafen bei einigen der Teilnehmenden auf Erstaunen und trugen zu einer spannenden Diskussion bei. Neben Zahlen stellte Mühe außerdem Ergebnisse ihrer eigenen Forschungsarbeit vor, mit teilweise sehr emotionalen Berichten muslimischer Schülerinnen und Schüler, die über den Zustand in der Schule berichteten. So erzählte Mühe von einer jungen Frau, der nur durch die Ausgrenzung, die sie von MitschülerInnen und LehrerInnen erfahren musste, als sie begann ein Kopftuch zu tragen, fast ihr Abitur verwehrt geblieben wäre.

 

Nach den eindringlichen Vorträgen folgte eine Mittagspause, nach der sich zunächst die isaar-Projektgruppe ausführlicher vorstellte. Gezeigt wurde die Arbeit der letzten Monate und vor allem die daran beteiligten Menschen.

 

Anschließend ging es mit einer Workshopphase weiter. Zur Wahl standen drei verschiedene Themenbereiche. Im ersten Workshop ging es um Jugendarbeit heute, wie diese diskriminierungskritisch, handlungssicher und empowernd werden kann. Der zweite fand zum Thema Schule statt und knüpfte so hervorragend an den Vortrag von Nina Mühe am Vormittag an. Im Workshop wurde diskutiert, wie Schule 2020 aussehen kann, um allen die gleichen Chancen auf Bildung und Teilhabe ohne Diskriminierung zu ermöglichen. Der dritte Workshop drehte sich um antimuslimischen Rassismus im Alltag und Handlungsansätze für die Bearbeitung in Pädagogik und Bildung. Hier ging es vor allem darum gemeinsam darüber zu diskutieren wo Alltagsrassismus beginnt – nämlich bereits bei der Benennung eines hellrosa Stifts als „hautfarben“. Es wurde viel diskutiert und viele Erfahrungen ausgetauscht. Letztendlich kamen alle zu dem Ergebnis, dass wir Alltagsrassismus nur verhindern können, wenn wir selbst dafür sensibilisiert sind, welche Aussagen und Verhaltensweisen rassistisch sind und vor allem auch, welche Auswirkungen diese für die Betroffenen haben.

 

Auf die Workshops folgte eine Pause, nach der die Fachtagung mit einem letzten Vortrag mit dem Titel „Je selbstverständlicher Diskriminierung, desto wichtiger Diskriminierungskritik. Migrationspädagogische Anmerkungen“ von Prof. Dr. Paul Mecheril der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

 

Die Fachtagung war insgesamt ein voller Erfolg und bot durch die verschiedenen Zugänge der Teilnehmenden zum Thema einen breiten Austausch untereinander und konnte durch die emotionalen Beiträge besonders Sensibilität für das Thema des antimuslimischen Rassismus im Alltag schaffen.