Lockere Stimmung und vielseitige Diskussion

…bei Wahl-O-Mat on Tour am Saarbrücker Gymnasium am Schloss

Auch heute Morgen um halb elf war es wieder soweit: Die Parteivertreterinnen und -vertreter mussten sich den Wahl-O-Mat Thesen und den kritischen Fragen der Jugendlichen stellen. Dabei zeigte sich bereits bei der vorgegebenen Thesenbesprechung welche Themen die Schülerinnen und Schüler interessierten: Integrativer Schulunterricht, Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare, Wählen mit 16 und G9 wurden mit Applaus bedacht. Die Parteien machten es sich schon hier gegenseitig nicht einfach und nutzten ihre Joker für meist fundierte Gegenargumente. Daneben war die Stimmung, trotz der ernst diskutierten Thesen locker und es blieb auch Raum für kleine Späße, die kurze Verschnaufpausen boten, um anschließend auf hohem Niveau weiter zu diskutieren.

Insgesamt zeigte sich zu diesem Zeitpunkt der Wahl-O-Mat on Tour Reihe, dass sich die Politikerinnen und Politiker langsam an das Format der Veranstaltung gewöhnen und in ihren Argumentationen sicherer werden. Doch die Fragen der Jugendlichen brachten auch hier eine eigenständige Dynamik in die Diskussion und ließen den Parteivertreterinnen und -vertretern keine Zeit sich auszuruhen. Es wurde debattiert über die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Gesellschaft. Die Grünen ernteten dabei Zustimmung durch ihr Bekenntnis zu Gleichberechtigung und einer Frauenquote, nachdem die AfD bereits mit konservativen Ansichten zur scheinbar eindeutigen Unterscheidung von Männern und Frauen die Ablehnung der Jugendlichen zu spüren bekam.

Auch das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare wurde brisant durch die Jugendlichen diskutiert. Hier gab es vor allem auch von den Schülerinnen und Schülern selbst flammende Reden für eine vollständige Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare zur Ehe, unabhängig vom eigenen Bauchgefühl oder Glauben. Denn, so eine Schülerin, hier gehe es schlicht um elterliche Liebe, Zuwendung und das Wohl der Kinder und nicht um religiöse Fragen oder Vorurteile. Zu dieser und ähnlicher Anmerkungen gab es aus dem Publikum einhelligen Applaus.

Ein Thema, das die Runde der Jugendlichen heute besonders bewegte, war die Bildungspolitik. Intensiv waren die Auseinandersetzungen mit den Positionen der Parteien vor allem zum Thema G8 und G9. Dabei war zu erkennen, dass sich die Schülerinnen und Schüler bereits im Vorfeld viele Gedanken zu diesem Thema gemacht hatten. Da ging es um Chancengleichheit in und Anerkennung von verschiedenen Schulformen, die Menge des Unterrichtsstoffes und wie eine solide Bildung strukturiert sein müsse. Hier sprachen sich die Parteien alle für eine Wahlfreiheit zu G9 aus, jedoch jeweils mit unterschiedlichen Begründungen: Etwa die SPD, die betonte, es liege im Ermessen der Eltern und ihrer Kinder, welche Variante die beste sei, oder die Piraten, die in G8 eine schlechtere Vorbereitung für die Universitäten sehen, als es durch G9 der Fall sei. Die CDU plädierte hingegen dafür, dem G8 System die Chance einzuräumen, sich durch weitere Verbesserungen noch zu bewähren. Der gemeinsame, integrative Unterricht von Schülern und Schülerinnen mit und ohne Behinderung war ebenfalls ein Bildungsthema, das die Jugendlichen bewegte. Hier zeigten sich die Parteien einig darin, die Integration voranzutreiben, jedoch waren die einzelnen Ideen für das Maß an Umsetzung und konkrete Pläne sehr unterschiedlich: die FDP ging hier einen verhaltenen Weg, indem sie zwar Integration befürwortete, doch einschränkte, in naher Zukunft keine Umsetzungsmöglichkeiten als gegeben sehe.

Neben Bildung wurde auch die Infrastruktur im Saarland angesprochen. Schülerinnen und Schüler berichteten von schlecht ausgebauten Bus- und Bahnanbindungen der Dörfer in die Städte, was besonders abends und an Wochenenden ihre Freiheit einschränke. Hier ereignete sich sodann eine kleine Sensation, als sich herausstellte, dass scheinbar alle Parteien die Forderung nach einem Fahrscheinlosen ÖPNV teilen. Dabei machte Die Linke und die Piraten auch direkt einen Vorschlag zur Finanzierung: durch eine monatliche Abgabe aller Bürgerinnen und Bürger.

Zum Ende dieser Veranstaltung darf noch jeder der Politikerinnen und Politiker eine einminütige Wahlkampfrede halten. Ein letztes Mal legen sich die Parteien, trotz sichtlicher Erschöpfung nach dieser Diskussionsrunde, ins Zeug: auch sie haben spätestens heute gemerkt, dass die Jugendlichen im Saarland sich für das politische Geschehen interessieren und ihre Stimme nur mit guten Argumenten für sich zu gewinnen ist.

Das war es erstmal für heute, schaut morgen wieder bei uns vorbei!

Euer Wahl-Wutz-Team des Landesjugendrings Saar

Selma Somogy