Früh übt sich, wer ein Meister werden will*

…Dass auch schon Jugendliche der Klassen 9 und 10 Spaß daran haben, sich kritisch mit Politik zu beschäftigen, war heute in der Gemeinschaftsschule Gersheim zu erkennen.

Auch heute ging es wieder heiß her in der Diskussion zwischen den Jugendlichen und den Parteivertreterinnen und -vertretern. Die Besonderheit dieser Veranstaltung war die Zusammensetzung des Publikums aus Schülerinnen und Schülern der Klassen 9 und 10: Das bisher jüngste Publikum dieses Wahl-O-Mat on Tour. Dabei bewiesen die Jugendlichen ein vielseitiges Interesse an politischen Themen – unabhängig davon, dass sie noch nicht bei der Landtagswahl am 26. März mitwählen dürfen.

In der Thesen-Runde hatten sich die Parteien noch zurückgehalten. Jede und Jeder hielt die Redezeit von einer Minute pro These ein und es wären wohl beinahe einige Joker ungenutzt geblieben, hätte die Moderation nicht noch einmal darauf hingewiesen. So kam es doch noch zu einer kleinen Debatte unter den Parteien zur Frage G8 oder G9 an Gymnasien, der Förderung ökologischer Landwirtschaft und den Ladenöffnungszeiten im Saarland.

In der Diskussionsrunde mit den Jugendlichen entfaltete sich dann eine ganz eigene Dynamik. Auf die erste Frage musste nicht lange gewartet werden und auch im Laufe der Veranstaltung folgte eine Meldung auf die nächste. Kritisch und überlegt fragen die Jugendlichen in die Runde: Wie stehen die Parteien zum Wahlrecht für Ausländer? Wie stehen Sie zur Laufzeitverlängerung des Kernkraftwerks Cattenom? Wie wollen Sie Alleinerziehende in Zukunft durch die Politik besser unterstützen? Dabei zeigten die Schülerinnen und Schüler bereits die problematischen Punkte auf: Dass das Wahlrecht an den deutschen Pass gebunden sei, egal wie lange man bereits in Deutschland lebe, dass Cattenom gefährlich sei, dass alleinerziehende Eltern einen immer größeren Teil der Gesellschaft ausmachten. Kein leichtes Spiel für die Politik.

Weitere Themen waren heute auch parteipolitische Ausrichtungen: der Vertreter der AfD wurde mit Äußerungen aus seiner Partei zum Schließbefehl an Grenzen und der angeblichen „Lügenpresse“ konfrontiert, der Vertreter der SPD wurde zur Auswirkung des „Schulz- Effekt“ auf seine Partei gefragt. Die Vertreterin der Grünen konnte sich zu den wirtschaftspolitischen Plänen ihrer Partei äußern, doch auch die anderen Parteien durften dazu noch aus ihrer Sicht argumentieren. Von der außereuropäischen Politik der USA und Donald Trumps Plänen von einer Mauer zu Mexiko schlugen die Jugendlichen den Bogen zur deutschen Flüchtlingspolitik und konfrontierten den Vertreter der CDU mit der Forderung nach einer Obergrenze aus den Reihen seiner Partei.

Die Fragen der Schülerinnen und Schüler waren heute durchweg kritisch und zeigten, dass sich die Jugendlichen intensiv auf die Veranstaltung vorbereitet hatten. Sie nahmen dadurch die Parteien in die Pflicht, boten ihnen aber auch die Möglichkeit, ihre politischen Pläne umfangreich offenzulegen – und die Darstellung der einzelnen Positionen wurde auch kritisch und aufmerksam von den Jugendlichen verfolgt. Viel Applaus für die Aussagen der Parteivertreterinnen und -vertreter gab es vor allem in der Schlussrunde, in der in einer Minute Werbung für die eigene Partei gemacht werden musste. Dabei wurde geklatscht für den Aufruf von die Linke und der FDP zum politischen und gesellschaftlichen Engagement, die Aufforderung der Piraten und der SPD, weltoffene Parteien zu wählen und die Ermutigung von die Grünen, sich zu informieren und für eine Gleichberechtigung aller Gesellschaftsmitglieder zu stimmen.

Am Ende der Veranstaltung richtete auch noch einmal der Schulleiter ein paar zusammenfassende Worte an die Jugendlichen und die Vertreterinnen und Vertreter der Parteien: Politik heiße eben auch manchmal, die kritische Konfrontation mit den eigenen Vorstellungen aushalten zu müssen.

Wir melden uns morgen wieder für Euch, dann vom Marie-Luise-Kaschnitz-Gymnasium in Völklingen!

Euer Wahl-Wutz-Team des Landesjugendrings Saar

Selma Somogy

 

*Nach Friedrich Schiller in „Wilhelm Tell“