Praxisunterricht für die Parteien

Wahl-O-Mat im Juz Saarlouis

Mit vielen eigenen Erfahrungen und Details aus dem Arbeitsalltag brachte das Publikum im JUZ Saarlouis die Politik an die Grenzen ihres Fachwissens.

Gemütlich wirkte der Raum im Jugendzentrum Saarlouis, in dem gestern eine weitere Runde des Wahl-O-Mat on Tour stattfand: Auf der kleinen Bühne, auf der normalerweise Bands auftreten, präsentierte sich die saarländische Politik und auf Bierbänken, Sesseln und alten Sofas saß das Publikum im schummrigen Licht der Party-Beleuchtung und wartete ungeduldig auf die Eröffnung der Diskussion. Doch die heimelige Atmosphäre des vollbesetzten Raumes führte keinesfalls dazu, dass sich die Parteivertreterinnen und  -vertreter von SPD, Linke, Piraten, Grüne, FDP und CDU an diesem Abend nicht auch scharfen Kritikern stellen mussten.

Der Abend stand dabei ganz im Zeichen der Arbeits- und Sozialpolitik. Es wurde im Bereich der Arbeitspolitik über das Arbeitnehmerrecht und die Weiterbildungsmöglichkeiten von Beschäftigten diskutiert, über die Zukunft und die Möglichkeiten der Stahlindustrie, von der viele Arbeitsplätze im Saarland abhängen und über die Ausbildungssituation in lokalen Unternehmen und Betrieben. Das Publikum konnte zu diesen Themen viele persönliche Beispiele aus der Praxis anführen, die den Politikerinnen und Politikern wohl auch manchmal Bereiche aufzeigten, die sie bislang nicht auf dem Schirm gehabt hatten.  Besonders ins Detail ging die Debatte um die Ausbildungsplatzsituation im Saarland. Hier wurde die aktuelle Situation ausführlich thematisiert. Es ging um die teilweise schlechten Bedingungen für Auszubildende durch unzureichend geschulte Mentoren in den Betrieben oder die geringe Vergütung und um eine fehlende Auswahl an verschiedenen Berufsbildern. Als von der Politik eine Statistik angeführt wurde, die besagte, dass viele Betriebe keine Azubis fänden, regte sich Widerspruch im Publikum. Die blinden Flecken der Statistik wurden direkt aus der Praxis offengelegt: Es liege oft daran, dass diese unbesetzten Ausbildungsplätze in vielerlei Hinsicht so schlecht strukturiert und unattraktiv seien, dass eben niemand die Stelle besetzen wolle.

Überhaupt war die Diskussion tiefgründig und emotional, da viele Probleme explizit und aus eigenen, unwiderlegbaren praktischen Erfahrungen heraus geschildert wurden.  Von den Parteien forderten die Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer dann auch unerbittlich deren konkrete Haltungen, Ideen und Pläne für Verbesserungen und Reformen ein. Besonders bewegend war auch die Anmerkung aus dem Publikum zu massiven Kürzungen, die im Bereich der Jugendarbeit vorgenommen worden waren – hatten sich doch zuvor noch alle Parteien für den Ausbau von Projekten gegen Rechtsextremismus und-populismus ausgesprochen, für welche die Jugendarbeit eine geeignete Plattform darstelle, wie einer der Diskussionsteilnehmer bemerkte.

Weitere Themen waren der ÖPNV und der Wunsch nach einer kostengünstigeren Regelung sowie die Positionen der einzelnen Parteien zum Adoptionsrecht und der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.
Insgesamt fanden die Positionen des linken Parteispektrums großen Zuspruch in dieser Runde, wenn es auch mal Kritik an einzelnen Haltungen hagelte. Aber vor allem der konservative und liberale Flügel hatte gestern keinen leichten Stand in Saarlouis. Bei den Abschlussstatements der einzelnen Parteivertreterinnen und -vertreter  gab es dann aber doch noch mal für alle einen versöhnlichen Applaus – die AfD war ja nicht dabei gewesen.

Wir halten Euch auch noch in der kommenden, letzten Woche des Wahl-O-Mat on Tour auf dem Laufenden!

Bis dahin,
Euer Wahl-Wutz-Team des Landesjugendrings Saar