Neue Plattform für Vernetzung, Qualität und gemeinsame Bildungsarbeit

  • Jugendarbeit und Juleica

Saarbrücken. Engagierte Multiplikatorinnen aus der Erinnerungsarbeit haben in Saarbrücken den Fachverband für ErinnerungsBildung (FEB) gegründet. Der neue Verein will die Bildungsarbeit im Bereich der Erinnerungsarbeit im Saarland und darüber hinaus stärken, Aktive besser miteinander vernetzen sowie gemeinsame Standards, Fortbildungen und neue Vermittlungsformate entwickeln. 

In der Erinnerungsarbeit im Saarland engagieren sich zahlreiche Menschen in unterschiedlichen Einrichtungen, Initiativen und Projekten – hauptamtlich wie ehrenamtlich. Was bislang vielfach fehlt, ist eine gemeinsame fachliche Plattform für die Bildungsarbeit im Bereich der Erinnerungsarbeit, insbesondere – aber nicht nur – für jüngere Menschen. Genau hier setzt der FEB an. 

„Wir haben im Saarland viele kompetente Menschen, die sich für Bildungsarbeit im Kontext der Erinnerungsarbeit engagieren. Was bisher fehlt, ist ein Ort, an dem diese Aktiven aus ihren unterschiedlichen Kontexten zusammenkommen und gemeinsam die Arbeit weiterentwickeln können“, sagt die neu gewählte Vorsitzende Leyla Graf-Taşkiran. „Der FEB soll genau so ein Ort werden: eine Plattform für Vernetzung, kollegialen Austausch und zur gemeinsamen Arbeit an den Herausforderungen, mit denen wir alle konfrontiert sind.“  

Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der Bildungsarbeit 

Konkret geht es darum, aus der Praxis heraus die Bildungsarbeit weiterzuentwickeln. Zu den zentralen Zielen des neuen Fachverbands gehören der Aufbau trägerübergreifender Fort-, Weiter- und Ausbildungsmöglichkeiten, die Entwicklung gemeinsamer Qualitätsstandards sowie der Austausch über Methoden und Formate der historisch-politischen Bildungsarbeit. Auch die Rahmenbedingungen für Menschen, die sich in der Erinnerungsarbeit engagieren, sollen verbessert werden – insbesondere für Ehrenamtliche. 

„Erinnerungsarbeit lebt von den Menschen, die sie gestalten. Gerade ehrenamtlich Aktive leisten enorm viel, stoßen dabei aber immer wieder an Grenzen, etwa bei Ressourcen, Weiterbildung oder beim Zugang zu Expertise“, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Paula Geraldy. „Wir wollen Strukturen schaffen, die diese Menschen in ihrer Arbeit unterstützen, statt dass jede Initiative immer wieder bei Null anfangen muss.“ Außerdem solle der Verband eine Einstiegsmöglichkeit bieten für interessierte Einzelpersonen, die bisher keinem Träger der Erinnerungsarbeit angehören. 

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Fokus 

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Großregion Saar-Lor-Lux, Rheinland-Pfalz, Wallonien und Elsass. Der FEB möchte Kontakte zu relevanten Orten, Institutionen und Gruppierungen der Erinnerungsarbeit aufbauen und vertiefen und damit auch den Blick über die Grenzen des Saarlandes hinaus richten. 

Dabei versteht der Verband Erinnerungsarbeit ausdrücklich als ein Feld, das unterschiedliche historische Erfahrungen und Perspektiven miteinander in Beziehung setzen kann. Neben der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit sollen auch weitere Themen der Erinnerungsarbeit stärker in den Blick genommen werden, etwa Kolonialgeschichte oder die Geschichte der DDR und ihre jeweiligen Zusammenhänge. 

Auch vor diesem Hintergrund sind dem FEB niedrigschwellige und mehrsprachige Zugänge ein wichtiges Anliegen. Geplant sind unter anderem ein mehrsprachiges Wörterbuch mit Fachbegriffen, die für die Erinnerungsarbeit relevant sind. Auch die geplante Website des Vereins soll möglichst barrierearm und in leicht verständlicher Sprache gestaltet werden. 

„Erinnerungsarbeit muss für möglichst viele Menschen zugänglich sein. Sprache darf dabei keine zusätzliche Barriere sein“, so Graf-Taşkiran. „Deshalb wollen wir von Anfang an mehrsprachig und verständlich kommunizieren und gemeinsam überlegen, wie Sprachbarrieren in der Bildungsarbeit abgebaut werden können.“ 

Fachliche Servicestelle und gemeinsames Selbstverständnis 

Der FEB versteht sich zudem als fachliche Servicestelle: Mitglieder und externe Interessierte sollen sich mit Fragen zur Bildungsarbeit im Bereich der Erinnerungsarbeit zukünftig an den Verband wenden können. Gemeinsam mit seinen Mitgliedern will der Verein Projekte entwickeln, Ressourcen teilen, Kooperationen aufbauen und die öffentliche Sichtbarkeit der Bildungsarbeit stärken. Außerdem wird der Verband gegenüber Politik und Öffentlichkeit deutlich kommunizieren, welche Ressourcen und Rahmenbedingungen für eine sinnvolle Bildungsarbeit im Bereich der Erinnerungsarbeit erforderlich sind. 

Intern wird der Fachverband in den kommenden zwei Jahren ein gemeinsames Selbstverständnis mit den grundlegenden Werten entwickeln, das festhält, was der FEB unter Erinnerungsarbeit versteht und auf welchen gemeinsamen Grundsätzen seine Arbeit beruht. „Wir wollen einen Verband aufbauen, der offen für unterschiedliche Perspektiven ist, aber gleichzeitig klare gemeinsame Grundlagen für gute Erinnerungsbildung entwickelt“, sagt Graf-Taşkiran „Unser Ziel ist eine starke, gut vernetzte und fachlich selbstbewusste Erinnerungsarbeit im Saarland und in der Großregion.“ 

Dem ersten Vorstand gehören Leyla Graf-Taşkiran (Vorsitzende), Paula Geraldy (stellvertretende Vorsitzende), Lola Sofia Ackermann (Schatzmeisterin) und Michelle Zimmer (Schriftführerin) an. Unterstützt wird der Vorstand von fünf Beisitzerinnen: Alisa Alić, Emilie Burckel, Hannah Meuler, Leah Rajchlin und Laura Throckmorton. 

 

Info 

Der Fachverband für ErinnerungsBildung (FEB, sprich: „Fäb“) richtet sich an Menschen, die in der Erinnerungsarbeit in der Großregion Saar-Lor-Lux, Rheinland-Pfalz, Wallonien und Elsass aktiv sind oder waren. Ziel des FEB ist es, Bildungsarbeit in der Erinnerungsarbeit durch Vernetzung, Fort- und Weiterbildung, fachlichen Austausch, Qualitätsentwicklung, gemeinsame Projekte und eine stärkere öffentliche Präsenz der Bildungsarbeit zu fördern.