Tag 2: DGB-Jugend Rheinland Pfalz/Saarland goes Israel 2019

Eine Delegation der DGB-Jugend Rheinland-Pfalz/Saarland besucht die Partnergewerkschaft Histadrut in Israel. Abwechselnd schreiben die Teilnehmenden über die Erlebnisse. Im Folgenden findet ihr den Bericht des zweiten Tages...

An unserem zweiten Tag standen insgesamt drei wichtige Treffen bei der Histadrut an. Auf dem Weg vom Hotel dorthin kamen wir am Denkmal für den ehemaligen Ministerpräsidenten Israels, Yitzhak Rabin vorbei, wo wir mehr über die Geschenisse und Hintergründe seiner Ermordung erfuhren.
Anschließend stand auch schon unser erster inhaltlicher Termin der Delegation an. „Dieses Jahr finden neun Delegationen in Israel statt und ich heiße alle herzlich Willkommen und freue mich auf einen regen Austausch“ erzählte Avital Shapira, Director of the International Department of the Histadrut, zu Beginn unseres Meeting.

Wir bekamen zu aller erst einmal einen Überblick über die Histadrut und deren Gewerkschaftsarbeit und Organisation. Der erste direkte Unterschied zum DGB ist uns sofort aufgefallen: Während bei uns mehrere Gewerkschaften untergliedert sind, ist die Histadrut eine zentrale Gewerkschaft für alle Arbeitnehmer*innen.

Während wir uns in Deutschland als DGB aktiv in die Politik einmischen und starke Meinungen zu Parteien haben, unterstützt die Histadrut all diejenigen, die sich für Arbeitnehmer*innenrechte einsetzen. Avital stellte auch die Herausforderungen der Histadrut vor. Elementarer Punkt waren die Leih- und Zeitarbeitnehmer*innen. Diese genießen nicht dieselben Vorzüge wie die Festangestellten in den Betrieben. Natürlich haben wir uns in dieser Diskussion wiedergefunden, denn auch in Deutschland nimmt die Leih-und Zeitarbeit nicht ab, im Gegenteil. Vor allem in der Stadtverwaltung werden diese in Israel eingesetzt. „Die Leih- und Zeitarbeitnehmer werden ganz klar diskriminiert und müssen festangestellt werden“. Das war die klare Botschaft von Avital. Sie hat uns noch viel Spaß und tolle Erfahrungen gewünscht und uns herzlich verabschiedet.

Herzlich empfangen hat uns auch Micky Drill von der Friedrich-Ebert-Stiftung. „Genau vor 62 Jahren fand die erste Delegation zwischen dem DGB und der Histadrut statt.“ Jahre bevor überhaupt offizielle Diplomatische Beziehungen aufgebaut wurden, waren es die Gewerkschaften, die die ersten Beziehungen zu Israel hatten. Dass es heute ein so positives Bild der deutschen Bevölkerung in Israel gibt, ist vor allem auch den Gewerkschaften zu verdanken.

Bei unserem dritten Gespräch am heutigen Tag trafen wir uns mit Tal Burstein und sprachen mit ihm über die Organisation neuer Mitglieder und die Gründung von Betriebsräten. Während bei uns in Deutschland durch das Betriebsverfassungsgesetz klar geregelt wird, wie ein Betriebsrat gegründet wird, war das in Israel bis 2013 keine Normalität. Erst ein gerichtliches Urteil hat die Gewerkschaften und die Mitbestimmung gestärkt.

Aber immer noch, wenn Beschäftigte einen Betriebsrat gründen wollen, müssen sie sich erst im Hintergrund und vor allem geheim mit Gewerkschaftsvertreter*innen treffen um einen Ablauf und Prozess abzustimmen. Denn auch die Arbeitgeber*innen in Israel suchen Schlupflöcher, um Mitbestimmung im Betrieb zu verhindern.

Wird es dann offiziell verkündet, bleiben der Histadrut meist maximal zwei Tage Zeit um Mitglieder zu organisieren, denn erst wenn 25% der Belegschaft Mitglied sind, kann ein Betriebsrat gegründet werden. Danach werden den Arbeitgeber*innen Tarifverträge vorgelegt, um zu verhandeln. Gelingt dann ein erfolgreicher Abschluss, haben die Beschäftigten einen enormen Vorteil. Inhalte vom Tarifvertrag sind vor allem Lohnzuschüsse, Arbeitsplatzsicherheit und natürlich Sozialleistungen.
Interessant war für uns vor allem, wie die Histadrut dies finanziell stemmt, denn die Mitglieder zahlen erst Mitgliedbeiträge, wenn ein Tarifvertrag abgeschlossen wird.

Aber dann zahlen alle. Ist der Tarifvertrag abgeschlossen, zahlen Nichtmitglieder automatisch 0,8% vom Bruttolohn, da sie ebenfalls vom Tarifvertrag profitieren. Mitglieder der Histadrut zahlen 0,9%, haben dadurch aber auch alle Vorteile der Mitgliedschaft. Allerdings fanden wir das auch gerecht, denn dadurch kommt der Solidaritätsfaktor mehr zu Geltung.

Auch Tal verabschiedete uns herzlich und anschließend war Zeit, alle offen gebliebenen Fragen zu beantworten.

Mit ein wenig Freizeit beendeten wir den Tag und sind schon gespannt darauf, morgen bei einer Betriebsbesichtigung die Betriebsratsarbeit in der Praxis kennen zu lernen.

Schöne Grüße aus Tel Aviv,
Erdem