Tag 4: DGB-Jugend Rheinland Pfalz/Saarland goes Israel 2019

Eine Delegation der DGB-Jugend Rheinland-Pfalz/Saarland besucht die Partnergewerkschaft Histadrut in Israel. Abwechselnd schreiben die Teilnehmenden über die Erlebnisse. Im Folgenden findet ihr den Bericht des vierten Tages...

sdr_HDRB

Shalom aus Netanya/Tel Aviv!

Am vierten Reisetag machte sich die Delegation auf nach Netanya, wo wir Gewerkschaftsvertre-ter*innen unseres Partnerbezirks in Netanya trafen.
Unter Anderem konnten wir uns, in dem eineinhalbstündigen Gespräch, mit dem Bezirksvorsitzenden Moshe Samiya, über die aktuelle gewerkschaftliche Arbeit austauschen und neue Erkenntnisse über die Arbeit der Histadrut in der privaten Hochschule und dem ultra-orthodox-geführten Krankenhaus von Netanya gewinnen. Zudem unterhielten wir uns über die enorm wichtige Arbeit der Frauenorganisationen der Histadrut in Israel, welche z. B. Erzieherinnen, Hebammen und Krankenpflegerinnen organisiert, Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt vermittelt oder auf die Gesetzgebung einwirkt, um somit eine Gleichstellungen von Mann und Frau zu erzielen.
Aus den heutigen Gesprächen lässt sich durchgängig feststellen, dass es in Israel vor allem eine große Portion Mut (nicht selten wird mit Kündigung oder anderen, teilweise körperlichen, Konsequenzen gedroht) der Arbeitnehmer*innen bedarf, um einen Betriebsrat zu gründen und anschließend Verhandlungen mit der Arbeitgeber*innenseite führen zu können. In den nachfolgenden Gesprächen geht es meist lediglich um Sozialleistungen, bessere Löhne und eine Arbeitsplatzgarantie, während es in Deutschland daneben noch um viele weitere wichtige Themen wie Arbeitsschutz, „Work-Life-Balance“, usw. geht.
Interessant zu sehen war auch, dass unsere Gesprächsteilnehmer*innen großes Interesse an der Arbeit der deutschen Gewerkschaften und dem deutschen/europäischen Arbeitsmarkt zeigten. Hierbei kam ein derartig starker Austausch in Gange, dass unser ständiger Begleiter und Übersetzer, Ori, die Gesprächsteilnehmer*innen das ein oder andere Mal bremsen musste, um weiter übersetzen zu können.
Bei der folgenden Stadttour durch Netanya zeigte uns die Reiseführerin  neben der Strandpromenade auch den außergewöhnlich grünen „Winterteich“-Stadtpark, welcher an diesem Tag von 400 Schüler*innen aufgeräumt wurde. Für mich bemerkenswert waren drei Jungs, welche uns aus ihrer Schulgruppe heraus offensichtlich als Touristen erkannten, auf uns zu stürmten, uns mit einem herzlichen „Shalom“ begrüßten und mehr von uns erfahren wollten.
Am frühen Nachmittag stand noch der Besuch der deutschen Botschaft in Tel Aviv auf dem Pro-grammplan, wo wir uns mit Bernhard Schulz, einem DGB-Kollegen und seit Januar Sozialattaché, über seine aktuelle Arbeit austauschen konnten. Derzeit beherrschen in Israel die vorgezogenen Wahlen am kommenden Dienstag das politische Tagesgeschäft. Weiterhin unterhielten wir uns über das „Start-up-Land-Israel“, den enormen wirtschaftlichen sowie technischen Fortschritt des Landes und die Beziehungen zwischen Israelis, arabischen Israelis und Palästinensern. Bernhard warb zudem für den freiwilligen Dienst in Israel, welcher einem FSJ in Deutschland gleichkommt. Die deutsche Botschaft in Israel finanziert hierbei bis zu 300 jungen Menschen aus Deutschland einen einjährigen Aufenthalt in Israel, der mit kleineren sozialen Aufgaben verbunden ist.
PS: Ein kleines Zwischenfazit hinsichtlich unserer Verpflegung kann bereits, nach vier Tagen, gezogen werden. Die Delegation erfreut sich jeden Tag bester israelischer und regionaler Köstlichkeiten, welche sowohl portionsmäßig aber vor allem geschmacklich keine Wünsche offen lassen.

Laila Tov! Cedric