Tag 5: DGB-Jugend Rheinland Pfalz/Saarland goes Israel 2019

Eine Delegation der DGB-Jugend Rheinland-Pfalz/Saarland besucht die Partnergewerkschaft Histadrut in Israel. Abwechselnd schreiben die Teilnehmenden über die Erlebnisse. Im Folgenden findet ihr den Bericht des fünften Tages...

Tag 5: Zeva Adom – Alarmstufe Rot
Israel.
Als ich den Menschen in meinem Umfeld vor unserer Abreise erzählte, dass ich in dieses Land reise, war das Unverständnis groß: „viel zu gefährlich“, „Bombenstimmung da unten“ oder „Hast du keine Angst?“ waren die Reaktionen.
Unsere Delegation ist nach Israel gereist, um zu erfahren, wie die Menschen hier arbeiten und leben aber auch wie es um ihre Sicherheit bestellt ist.
In den letzten Tagen, die wir in Tel Aviv und Umgebung verbrachten, habe ich mich sicher gefühlt. Wie wird das heute sein?
Sderot
Unser heutiges Ziel ist die süd-israelische Stadt Sderot, in unmittelbarer Nähe zum Gaza-Streifen. Hier gab es in den letzten Wochen laut Medienberichten mehrere Raketenangriffe der Hamas aus dem Gaza-Streifen auf die Stadt Sderot.
Bevor wir die Stadt erreichen erhalten wir ein Sicherheitsbriefing. In Sderot gibt es keine Sirene um vor einem Raketenangriff zu warnen. Es gibt eine Lautsprecherdurchsage: „Zeva Adom!“ –  Alarmstufe Rot. Wenn man das hört, hat man maximal 15 Sekunden Zeit sich in Sicherheit zu bringen. Wohin aber? Am besten in den nächstgelegenen Schutzraum, gibt es an jeder Ecke in Sderot. Und das möglichst schnell, denn die Stadt ist nur wenige Kilometer Luftlinie vom Grenzzaun entfernt, der den Gaza-Streifen von Israel trennt.
Iron Dome
Kein Schutzraum in der Nähe? Dann heißt es flach mit dem Bauch auf den Boden legen, Hände über den Kopf… und hoffen, dass das israelische Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ die Rakete vor dem Einschlag bereits in der Luft zerstört.
Ein Mitarbeiter der Wasserwerke vor Ort erzählt uns von seiner Arbeit unter diesen riskanten Bedingungen und den Schwierigkeiten, die Bevölkerung im Gaza-Streifen mit 10 Millionen Kubikmetern sauberem Trinkwasser aus Israel zu versorgen. Denn eine funktionierende Versorgungsinfrastruktur gibt es in Gaza nicht. Viele Menschen haben sich scheinbar primitive Brunnen gebaut, aus denen sie mit Eimern ungereinigtes Grundwasser schöpfen.
Wir hören ein Surren in der Luft. Es ist nur eine Drohne, beruhigt uns der Mitarbeiter des Wasserwerks.
Die Menschen, die hier leben, wissen allerdings nicht, ob sie die Nacht im Bett beenden oder im Schutzraum. Viele schlafen in unruhigen Zeiten schon routinemäßig im Schutzraum. Was macht so ein Leben mit den Menschen in Sderot?
Das urbane Kibbuz
Diese Frage beantwortet uns Rinat, eine angehende Lehrerin, die in einem urbanen Kibbuz lebt. Dies ist eine im Kollektiv lebende Gemeinde, die auf basisdemokratischen Strukturen aufgebaut ist. Nein, es ist keine Zeltstadt, wie manche jetzt vielleicht denken, sondern ein großes Haus in der Stadt Sderot, in welchem noch zehn weitere Personen leben. Rinat ist 30 Jahre alt. In diesem Alter noch in einer Art WG zu wohnen, ist für Israel sehr ungewöhnlich. Sie und ihre Mitbewohner studieren alle Lehramt, denn Rinats Kibbuz ist Teil der israelischen Bildungsbewegung „Dror Israel“. Mit ihrer Arbeit unterstützen sie die Jugend in Sderot und erfahren hautnah, wie problematisch es ist in einem permanenten Alarmzustand aufzuwachsen.
Nach jedem Zeva Adom in Sderot überlegt sich Rinat erneut, ob sie noch weiterhin hier leben will.
Laila Tov, Annika